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Deutschland war über Jahre hinweg der Exportweltmeister, doch China holte auf und belegt nun seit einigen Jahren wieder diese Spitzenposition. Der weltweite Warenhandel ist bereits an sich schon eine logistische Meisterleistung. Die Basis für diese Warenströme sind zahlreiche Kreditinstitute, die ihre Firmenkunden im Auslandsgeschäft mit begleiten und die Transaktionen abwickeln.

Im Vergleich zum klassischen Bankgeschäft sind solche internationalen Transaktionen mit höheren Risiken behaftet und müssen entsprechend minimiert werden. So prüfen Kreditinstitute nicht nur die Zahlungsempfängerbanken und die entsprechenden Kunden, sondern auch die Ware und die Transportroute. Unter dem Stichwort „Know-Your-Customer (KYC)“ sammelt man jene Aktivitäten, die ein transparentes Bild über die Kunden und die Transaktionen ermöglichen.

In den letzten Jahren wurden die Anforderungen an die Dokumentations- und Sorgfaltspflicht an Kreditinstitute schrittweise verschärft. Dies hat dazu geführt, dass viele Institute ihre Korrespondenzbankbeziehungen gekappt haben, umso das Risiko und den Aufwand zu reduzieren.

Was sind Korrespondenzbankenbeziehungen?

Als Korrespondenzbankbeziehung bezeichnet man die Erbringung von Bankdienstleistungen einer Bank (Korrespondenzbank) für eine andere Bank (Respondenzbank). Hierzu zählen unter anderem die Unterhaltung eines Kontokorrent- oder eines anderen Bezugskontos und die Erbringung damit verbundener Leistungen wie die Verwaltung von Barmitteln, internationale Geldtransfers und die Scheckverrechnung. Insbesondere bei internationalen Transaktionen sind solche Korrespondenz-bankbeziehungen sehr wichtig, da diese in der Regel eine schnelle und einfache Abwicklung von Transaktionen ermöglichen. Die Banken kennen sich in der Regel und bilden regelmäßig Geschäfte ab.

Mit der neuen, vierten EU Geldwäsche-Richtlinie wurden die Dokumentations- und Sorgfaltspflichten für Banken, welche Korrespondenzbankbeziehungen unterhalten, nochmals verschärft.

Die strenger gewordenen Anforderungen stellen zahlreiche Kreditinstitute vor neue Herausforderungen. Insbesondere die wage Formulierung der Auflagen machen deren Erfüllung aktuell sehr schwierig.

Folgende Maßnahmen könnten zur Erfüllung der Anforderungen beitragen:

  • Ausweitung der KYC-Möglichkeiten
  • Ausweitung der Nutzung der LEI
  • Information-Sharing-Initiativen,
  • Transaktionsmitteilungen und die Nutzung der LEI als zusätzliche Information bei Transaktionsmitteilungen.

 

In diesem Beitrag möchten wir uns mehr dem Thema „Information- Sharing- Initiativen“ näher widmen.

Es gibt gewisse Umstände, bei denen die Prüfungsobligationen die standardmäßigen KYC-Prüfungen überschreiten können, z.B. bei Transaktionen zu Kreditinstituten in Ländern oder Kunden mit höheren Risiko nach der Geldwäscheverordnung.

In allen Fällen müssen Korrespondenzbanken wissen, mit wem und wo das Geschäft abgewickelt wird, idealerweise mit Informationen der entsprechenden Kunden der jeweilen Bank. Als Konsequenz daraus sollten Korrespondenzbanken einen ausreichenden Überblick über die zugrundeliegenden Transaktionen haben.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass zahlreiche Systeme zur Überwachung und Detektion verdächtiger Transaktionen zum Einsatz kommen und ebenfalls unterschiedliche Datenquellen wie Reuters World Check oder Banker’s Almanac hinzugezogen werden.

Die Aufsicht erwartet von Korrespondenzbanken, dass diese eine ausreichende Prüfung der Transaktionen durchführen, um das entsprechende Risiko zu bewerten und zu dokumentieren. Solche Prüfungen sind umso wichtiger, wenn Kreditinstitute als Vermittler agieren und die Endkunden nicht direkt bekannt sind.

In Anlehnung an das KYC-Prinzip gilt bei Korrespondenzbanken das KYCC-Prinzip, „Know-Your-Customer’s Customer“. Abgesehen von Hochrisikoszenarios, verlangen die FATF- Empfehlungen noch keine so tiefgreifenden Prüfungen beim Aufbau und Unterhaltung von Korrespondenzbankbeziehungen. Nichtsdestotrotz fehlt aktuell immer noch eine klare Definition, wie mit einem Hochrisikoszenario umzugehen ist.

Die zusätzlichen Prüfungen für diese Hochrisiko-Kunden erhöht die Sicherheit im Korrespondenzbankgeschäft, bringen aber gleichzeitig höhere Komplexität in den AML/CFT Abläufen mit folgenden Schwierigkeiten und Konsequenzen mit sich:

  • Grundsätzlich könnte jedes Kreditinstitut alle weiterführenden Informationen zu Transaktionen und Kunden ihrer Korrespondenzbanken weitergeben, wenn nicht ein Konflikt zu den Datenschutzbestimmungen stehen würde. Wenn nun solche Informationen zu Kunden und Transaktionen nicht weitergegeben werden dürfen, müssen Kreditinstitute sehr großen Aufwand betreiben um Informationen zu bekommen, wenn nicht sogar diese Transaktion blocken oder ablehnen. Als Folge daraus könnten zahlreiche Korrespondenzbankbeziehungen gekappt werden. Vor diesem Hintergrund haben die Bundesbeauftragten für den Datenschutz eine besondere Rolle in diesem Prozess und die FATF hat bereits begonnen Gespräche in diese Richtung zu führen.
  • Auch wenn den betroffenen Korrespondenzbanken die notwendigen Zusatzinformationen bzgl. einer spezifischen Transaktion vorliegen sollten, bleibt es weiterhin sehr schwierig, die Angaben zu verifizieren, da kein direkter Kundenkontakt besteht. Üblicherweise sitzen die Kunden im Ausland und Transaktionen müssen meist zeitnah bearbeitet werden. Mit Ausnahme von klaren Treffern aus öffentlich verfügbaren, internationalen Listen von Personen und Unternehmen (PEP, etc.), wird es eine Korrespondenzbank sehr schwer haben, eine angemessene Absicherung bzgl. der Legitimation einer Transaktion zu erhalten. Dieser Umstand bringt ein weiteres Element an Unsicherheit mit sich und macht diese Art der Prüfung sehr schwer. Mit dieser Unsicherheit und der Schwierigkeit zur nachvollziehbaren Risikobewertung haben bereits einige Kreditinstitute für sich entscheiden, die Anzahl ihrer Korrespondenzbankbeziehungen zu reduzieren, insb. bei niedrigen Volumina und in Ländern mit höherem Risiko.
  • Zahlreiche Kreditinstitute unterhalten oft mehrere Korrespondenzbankbeziehungen und haben damit auch entsprechend höhere Kosten, da die bilaterale Weitergabe von Kundeninformationen an mehrere Korrespondenzbanken mehr Aufwand bedeutet.
  • Da viele Kunden ihre Geschäfte oft über unterschiedliche juristische Personen abwickeln, ist es für ein Kreditinstitut schwierig, ein ganzheitliches Bild über den bestimmten Kunden zu erhalten.

Die beschriebenen Situationen schaffen ein Umfeld mit beträchtlichen Ineffizienzen und Unsicherheiten. Mehr noch, es scheint, als ob das größte Problem für Kreditinstitute mit Korrespondenzbeziehungen die Unsicherheit in Bezug auf die Erwartungshaltung seitens der relevanten Aufsicht in Bezug auf die Erfüllung der Anforderungen ist. Aktuell arbeiten zahlreiche internationale Behörden gemeinsam an mehr Klarheit. Bspw. hat der FATF Empfehlungen zum De-Risking sowie Guidelines und Best-practices zur risikobasierten Entscheidungsfindung veröffentlicht.

Gleichzeitig zu den Arbeitsgruppen des FATF könnten verschiedene Maßnahmen berücksichtigt werden, die bereits teilweise in die nationale Gesetzgebung umgesetzt wurden, wie z.B.

  • Ausweitung der Nutzung der LEI, um eine eindeutige Identifikation von Firmenkunden sicherzustellen
  • Kreditinstitute könnten in Ihren Verträgen mit Ihren Firmenkunden eine Klausel integrieren, in der bei grenzüberschreitenden Zahlungen die Weitergabe von relevanten Informationen zu Korrespondenzbanken/Intermediärinstituten ausdrücklich erlaubt wird
  • Eine weitere nennenswerte Initiative in diesem Umfeld ist die Entwicklung einer zentralen AML/CFT-Datenbank, in welcher Kreditinstitute Informationen zu Identitäten, Geschäfte und Transaktionen ihrer Kunden bei grenzüberschreitenden Transaktionen und Zahlungen hinterlegen könnten. Doppelarbeit könnte vermieden werden, wenn Respondenzbanken ihre Informationen in eine zentrale Datenbank hinterlegen und alle freigeschalteten Korrespondenzbanken und Aufsichtsbehörden darauf zugreifen könnten. In solch einer zentralen Datenbank würden den Korrespondenzbanken zeitnah aktualisierte und bessere Informationen zu Firmenkundenprofilen konsolidiert und aggregiert vorliegen. Die Verwaltung solch einer zentralen, höchst vertraulichen Datenbank müsste von den Aufsichtsbehörden unterstützt werden, was wiederum auch den Kreditinstituten helfen würde, da sie auf vertrauenswürdige Informationen zugreifen könnten. Ein Aufbau solch einer Informationsplattform zur Zentralisierung und gemeinsamen Nutzung von prüfungsrelevanten Informationen könnte auch eine geeignete Lösung für Länder sein, in denen Kreditinstitute Schwierigkeiten haben, Korrespondenzbankbeziehungen aufzubauen und zu pflegen. Ein gutes Beispiel für solch eine Datenbank ist die Situation in Mexiko, in der sich solch eine Datenbank aktuell in den Anfängen befindet. Hier sollen ausländischen Korrespondenzbanken zentral Informationen abfragen können. Damit der Transaktionsfluss verbessert werden kann.

Unabhängig von den beschriebenen Ambitionen, eine zentrale Datenbank aufzubauen stehen diesem Vorhaben einige Hindernisse im Weg. Unabhängig von der Verfügbarkeit von Daten, tragen Korrespondenzbanken weiterhin das Risiko und sind Verantwortlich für eine adäquate Prüfung. Eine Konsolidierung von Daten und deren gemeinsame Nutzung könnte datenschutzrechtlich problematisch werden, jedoch hat z.B. der Aufbau des „Schufa Fraud Pools“ in Deutschland bisher keinen Landesdatenschutzbeauftragten dazu bewegt, Einspruch zu erheben. Sofern der Nutzen und der Zweck klar definiert sind und Date nur für Prüfungen genutzt werden, sollte auch nicht gegen solch einer Datenbank sprechen.

Der KYCC-Anforderung zu entsprechen ist eine komplexe Herausforderung, die nicht nur Kosten verursacht, sondern auch die Unterstützung aller beteiligten Korrespondenzbanken bei der Konsolidierung der Information erfordert.